Huflattich – eine kleine Verteidigungsrede!

Huflattich – eine kleine Verteidigungsrede!

9. März 2022

Der Huflattich als Hustenvertreiber wurde in den letzten Jahrzehnten selbst zum Vertriebenen. In der TEM hat er aber ein Bleiberecht, als unverzichtbare Heilpflanze …

Sohn vor dem Vater

Wenn man die ersten Blütenköpfe des Huflattichs wie kleine Sonnen aus dem Boden hervorblitzen sieht, dann weiß man, dass der Frühling da ist. Eine Besonderheit dieses Frühlingsbotens kommt im lateinischen Namen filius ante patrem = „Sohn vor dem Vater“ zum Ausdruck, weil die Pflanze zuerst ihre Blüten und erst später ihre Blätter entwickelt. Der botanische Name dieses Korbblütlers, der bevorzugt auf steinigen, sandigen Böden an Wegrändern und auf Schuttplätzen gedeiht, Tussilago farfara, verweist auf sein Hauptanwendungsgebiet: tussis = Husten, weswegen er volkstümlich auch „Hustenvertreiber“ genannt wird.

Vertriebener Hustenvertreiber – mit Bleiberecht!

Zu den wertvollen Inhaltsstoffen des Huflattichs zählen Schleimstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Gerbstoffe, einige ätherische Öle, Kieselsäure etc., welche die Pflanze zum bronchopulmonalen Therapeutikum machen. Zugegebener Weise enthält Huflattich auch Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in sehr hohen Dosierungen und bei Langzeitanwendungen leberschädigend wirken können, weshalb der Verkauf des Huflattichs 1994 verboten wurde. So wurde der „Hustenvertreiber“ selbst zum Vertriebenen. Ganz nachvollziehbar ist der Schritt nicht: Bei kontrollierter therapeutischer Dosierung über einen kurzen Zeitraum (längstens zwei Wochen!) besteht keinerlei Gefährdung – wenn man die beiden Kontraindikationen beachtet: Korbblütler-Allergie und Schwangerschaft/Stillzeit.

Huflattich ist auf seine Art einzigartig: Er vereint die Qualitäten einer Schleimstoffdroge (Muzilaginosum) mit denen einer Bitterstoffpflanze. Die Schleimhäute werden also nicht nur befeuchtet und regeneriert, sondern zusätzlich gestärkt und angeregt – mit einem breiten Anwendungsspektrum bei trockenen Atemwegserkrankungen, Heiserkeit, Mund- und Rachenraumentzündungen sowie hartnäckigem Bronchialkatarrh.

Tipp: Sammle und nutze Huflattich!

  • Wer Huflattich einsetzen möchte, der kann zu PA-armen Züchtungen aus dem Spezialhandel greifen.
  • Unter den oben genannten Bedingungen – kontrollierte therapeutische Dosis und Kurzzeitanwendung – ist eine Wildsammlung absolut zu verantworten und ein willkommener Anlass zu einer Frühlingswanderung. An dieser Stelle gilt: Sammle achtsam („Handstrauß-Regel“) und lass genug für die Insektenwelt übrig.
  • In Sachen Galenik, der Kunst der Medikamentenzubereitung, bieten sich Huflattich-Tee oder Huflattich-Tinktur an.